Das Staatsschauspiel Dresden bringt Ibrahim Amirs Migrationskomödie "Homohalal" auf die Bühne und zeigt, dass Theater dann am besten ist, wenn es sich nicht um politische Korrektheit schert. (Süddeutsche Zeitung)

 

 

Aktuell - Stückabdruck in Theater heute Juli 2017

 

 

 

 

 

HOMOHALALhomohalal706a dresden

 

 

 

Komödie von

IBRAHIM AMIR

 

3 D, 6 H / var. Dek.

 

UA 30. März 2017 Staatsschauspiel Dresden

 

Regie Laura Linnenbaum

 

Mit Matthias Luckey, Annedore Bauer, Anna-Katharina Muck, Elzemarieke de Vos, Thomas Schumacher, Holger Bülow, Thomas Kitsche, Valentin Kleinschmidt, Rouni Mustafa

 

 

homohalal112 dresdenWir schreiben das Jahr 2037: In Deutschland leben Menschen verschiedener Kulturen in Harmonie zusammen, Rassismus und Islamophobie gehören längst der Vergangenheit an. Dresden ist zum europäischen Vorbild für Toleranz geworden, und die letzten Rechtsradikalen der Stadt versinken in Depression. Eines Tages führt der unerwartete Selbstmord eines Geflüchteten, der vor 20 Jahren in die Stadt kam, ein paar Freunde von damals wieder zusammen. Sie erinnern sich an vergangene Kämpfe und das, was sie in all den Jahren geschaffen haben. Doch schnell bröckelt die Fassade aus Harmonie und Sentimentalität. Alte Wunden brechen auf und unbeantwortete Fragen prallen schonungslos aufeinander. Als schließlich nach und nach ein Verbrechen ans Licht kommt, das sich vor zwanzig Jahren ereignete, beginnt ein Kampf auf Leben und Tod und um das Recht des Stärkeren.

 

 

homohalal799 dresden2017 ist das Thema Flucht und Asyl aus den Medien kaum noch wegzudenken. Im Dezember 2012, drei Jahre bevor Millionen Menschen den Weg über das Mittelmeer nach Europa suchten, besetzten Asylsuchende aus dem Mittleren Osten die Wiener Votivkirche, um auf ihre prekäre Lebenssituation in Österreich aufmerksam zu machen. Es entbrannte eine heiße Debatte in den Medien, Parteien, und private Initiativen von Links und Rechts schalteten sich ein. Die „Schutzflehenden“ wurden einerseits idealisiert, andererseits kriminalisiert. Der aus Syrien stammende und in Wien lebende Autor Ibrahim Amir arbeitete zwei Jahr lang in Workshops mit Geflüchteten und Aktivist_innen zusammen und führte zahlreiche Gespräche mit den verschiedenen Beteiligten. Das aus diesen Recherchen entstandene Stück ist eine schonungslose Abrechnung mit Klischees und Vorurteilen, eine bitterböse Komödie über zwischenmenschliche und kulturelle Konflikte. Doch darf man, gerade heute, über so ein brisantes Thema im Theater lachen? „Wir sind nicht frei von Fehlern und nicht frei von Phobien und Ressentiments. Darüber muss man auch auf der Bühne sprechen dürfen“, so der Autor Ibrahim Amir, der bereits mit seinem Erstlingswerk, der Ehrenmordkomödie „Habe die Ehre“, in mehreren europäischen Ländern für Furore sorgte. Nach der heftig diskutierten Absage der geplanten Uraufführung in Wien 2016 wird das Stück nun in einer auf Dresden umgeschriebenen Fassung auf die Bühne kommen. „Die Konflikte, die es in Wien gibt, gibt es genauso in Dresden und überall sonst.“ Zeit, uns ihnen zu stellen.

 

 

homohalal dresden„Das in Wien verschmähte „Homohalal“ begeistert in Dresden“ (Dresdner Neueste Nachrichten)

 

„Das Staatsschauspiel Dresden bringt Ibrahim Amirs Migrationskomödie "Homohalal" auf die Bühne und zeigt, dass Theater dann am besten ist, wenn es sich nicht um politische Korrektheit schert. […] Die Regisseurin Laura Linnenbaum bemüht sich klugerweise nicht um Realismus. Auf der Bühne stehen skurrile Typen in bonbonfarbenen Sechzigerjahre-Kostümen (David Gonter), die an Inszenierungen von Herbert Fritsch denken lassen. Die Damen tragen Föhnfrisur, die Herren Schnurrbart und Hornbrille. Alle sind so wasserstoffblond wie sonst nur Geert Wilders und Donald Trump.

Diese Distanz bewahrt die Inszenierung vor vielen Fallstricken. Die meisten Figuren stammen aus dem Ausland, zwischendurch reden sie Arabisch. Auf der Bühne stehen jedoch bis auf Rouni Mustafa nur deutsche Schauspieler. Seine Auftritte dienen als ironischer, auch selbstkritischer Kontrapunkt, der die Realität am Theater kommentiert. Zum Beispiel die, dass eine typengerechte Besetzung dieses Stückes an einem deutschen Stadttheater gar nicht möglich ist. Jedenfalls nicht, ohne lauter Gäste zu engagieren.[…]... Es sind Figuren, die auch mal die Grenze zum Klischee überschreiten. Aber es sind unterhaltsame Klischees. Und sie werden im richtigen Moment gebrochen: Der Frauen aufreißende Iraker entpuppt sich als schwul; der vermeintlich salafistische Sohn als Anhänger der Identitären Bewegung. Dahinter steckt bei Amir eine Haltung: Ganz so einfach ist es eben nicht mit den Menschen und den Schubladen.[…] Amir beherrscht die Regeln der Migrations- und Integrationskomödie: je böser, destobesser."  (Süddeutsche Zeitung)

 

"Der Partyabend auf der Homohalal-Bühne entwickelt sich zwar zunehmend zum Trauerspiel, dennoch endet Ibrahim Amirs Vision nicht in völliger Dystopie. "Die Zukunft wird anstrengender als die Gegenwart, viel anstrengender", glaubt der Autor. "Aber wir produzieren kein Futter für rechts, wenn wir die Klischees und Vorurteile aller Beteiligten offen auf den Tisch legen." (Die Zeit) 

 

„Das Stück, das in Wien vom Spielplan flog, begeistert das Publikum im Kleinen Haus in Dresden. Das Drama „Homohalal“ zeigt sich heiter bis gewittrig. […] Um Political Correctness geht es bei „Homohalal“ nicht. Und um eine brave Integrationsvision noch weniger. Ins Visier rücken sie alle: Aufweicher wie Radikale, keine Seite wird geschont. […] „Homohalal“ ist vor allem ein bissiger Beitrag zur Flüchtlingsfrage. Und ein mutiges Knallbonbon für das polarisierte Dresden.“ (Sächsische Zeitung)

 

„Ibrahim Amir hat eine Komödie geschrieben, die Politisches und Privates souverän ineinander montiert. Nicht alles wird erklärt, aber manches wird deutlich. Und die Schauspieler werfen sich mit komödiantischer Lust und heftigem Körperspiel in ihre Rollen. Das Publikum war von der Inszenierung begeistert und jubelte lange.“ (Nachtkritik)

 

„In Wien sorgte die Absage der geplanten Uraufführung von Ibrahim Amirs Flüchtlings-Dystopie "Homohalal" im Volkstheater im Vorjahr noch für große Aufregung. Dann sprang Dresden ein - und am dortigen Staatsschauspiel sorgte das als Komödie angelegte Flüchtlingsstück des syrischen Autors unter Regie von Nachwuchskraft Laura Linnenbaum am Donnerstag für viel Beifall.“ (Salzburger Nachrichten)

 

„Eine schonungslose Abrechnung mit Klischees und Vorurteilen, eine bitterböse Flüchtlingsfarce über zwischenmenschliche und kulturelle Konflikte.“ (Südwestrundfunk)

 

„Es ist ein Stück, in dem keiner so ist wie sein Klischee, man darf sogar lachen, obwohl oder weil es um Flüchtlinge und Aktivisten und die ganze Flüchtlingsdebatte auch geht.“ (Liane von Billerbeck, Deutschland Radio Kultur)

 

  

Fotos © David Baltzer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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