Ein grosser Wurf! Reines Theatergold! (Bayrischer Rundfunk)

 

Als Auftakt zum Reformationsjahr zeigt das Theater Münster die Uraufführung dieses sehr persönlichen Blicks auf den großen Reformator, nun folgt die umjubelte Tournee

 

  

 

MARTINUS

LUTHERluther 6929

 

Anfang und Ende eines Mythos

 

von JOHN VON DÜFFEL

 

1 D, 2 H / var. Dek.

 

UA 25. September 2016 Theater Münster, Regie Max Claessen

 

Tournee Pr. 05. März 2017 Stadttheater Minden, eine Produktion von theaterlust, München

Die Tourneeproduktion ist für den Inthega Preis DIE NEUBERIN 2017 nominiert

 

Besetzung: Thomas Kügel, Anja Klawun, Sebastian Gerasch, Anno Kesting

Regie: Thomas Luft

Schauspielmusik: Anno Kesting

 Die  

Inszenierung Thomas LuftSchauspielmusik Anno Kestin

Nachspielproduktionen:

 

28. September 2017 Theater Vorpommern Greifswald / Putbus

31. Oktober 2017 Landestheater Oberpfalz, Leuchtenberg

 

 

 

 

luther 3307Am härtesten ist er zu sich selbst. Der junge Bettelmönch Martinus, der seiner weltlichen Karriere – und wahrscheinlich wäre es eine glänzende gewesen! – abgeschworen hat, um sein Leben Gott zu weihen. Ein Gewitter ist der Moment seiner Bekehrung, ein Donnerschlag wird es für die Welt. Der Bettelmönch Martinus, bekannter als Martin Luther, sorgte für eine der massivsten Zäsuren in der Geschichtsschreibung. Fünfhundert Jahre ist das jetzt her.

 

Ein Gewitter also, und ein Gelübde in Todesgefahr. Dann der Eintritt ins Kloster, die Abkehr von der Welt, und, das Ärgste: das Geständnis vor dem Vater. Das erste Mal, dass sich der Sohn auflehnt! Mit diesem Vater aber kann das nur zum Bruch führen.

 

Es ist Martins erster Bruch mit der Autorität. Doch das gehört zu seinem Weg. An dessen Gipfel steht der Bruch mit der höchsten Macht, dem Papst. Der kleine Mönch Martinus, einst ein Häuflein Elend angesichts der eigenen Sündhaftigkeit, gebeutelt und erdrückt von Selbstzweifeln, fordert die größte Macht der Welt heraus, zieht die grundlegendsten Glaubenssätze in Frage, prangert Korruption und Bigotterie der päpstlichen Kurie an, wettert gegen den Ablass. Er krempelt die Welt um, religiös wie politisch.

 

luther 8234Doch hier ist sein Weg nicht zu ende. Der einst junge Revolutionär wird alt, wird krank, wird fett, verhärtet und verbittert nach all den Kämpfen seines Lebens. Exkommuniziert, politisch mehr geduldet als erwünscht. Ein großer Reformator oder ein tragisch Gescheiterter? Das scheint ganz offen. Ein machtbewusster, unerbittlicher alter Mann, der buchstäblich über Leichen geht.

 

Wie Luther wurde was er war – und wie Luther aufhörte, Luther zu sein – so beschreibt John von Düffel seinen Ansatz. So entsteht ein spannendes Persönlichkeitsbild dieser großen historischen Figur. Und so lässt sich ein Bogen spannen zu dem, was wir heute an religiösem Extremismus erleben, bis hin etwa zu den Attentaten von Paris („Je suis Charlie“). An Luthers Beispiel erzählt John von Düffel die Geschichte einer Radikalisierung. Wie einer zum Hassprediger wurde, der als Gottsuchender begann. Eine Geschichte voll Faszination und Spannung, zutiefst persönlich und voll Bedeutung für die Welt von heute.

 

 Das sagte die Presse zur Tournee:

 

„Gelungene Premiere von "Martinus Luther“ im Stadttheater Minden.

Seine Entwicklung als Leidensprozess, das Ausgeliefertsein an eine höhere Macht bis hin zur Selbstverleugnung... Darsteller Sebastian Gerasch gibt dem eine glaubhafte Gestalt. Die Rolle des Teuflischen, der geschlechtlichen Verführung, von Luthers Ehefrau und des päpstlichen Ablasshändlers übernimmt Anja Klawun und schafft eine starke Präsenz auf der Bühne… Als "Vadder" Pater Vicarius und insbesondere des alternden Luther erzeugt Thomas Kügel eine hohe Intensität, der verbitterte Alte ist ein wahrer Kotzbrocken... Die sehr gelungene akustische Untermalung durch vielfältigen Percussion Einsatz und verfremdete Klänge von Anno Kesting verleihen der Aufführung eine zusätzliche Dramaturgie. Regisseur Thomas Luft und die „Theaterlust“ aus München feiern in Minden eine gelungene Premiere, die im voll besetzten Theater mit lang anhaltendem Applaus honoriert wird.“ (Mindener Tageblatt)

 

„Nur drei Schauspieler agieren auf der Bühne, und sie leisten Enormes. Allein die Textmenge, die Sebastian Gerasch, Anja Klawun und Thomas Kügel dauerpräsent in ihren wechselnden Rollen bewältigen, ist immens, zumal sie teilweise eine besondere, an Luthers Neuhochdeutsch angelehnte Kunst-Sprache verwenden.

Choreographische und akrobatische Elemente lockern das Geschehen auf. Es ist eine überwältigende Inszenierung.“ (Osnabrücker Zeitung)

 

luther 8103„Begeistertes Spiel um den Mönch und Revolutionär Luther... In der „TriBühne“ in Norderstedt dankte das Publikum mit langem Applaus. Die Bilder entfalten sich beim Hören der Monologe und Dialoge im Kopf. Die Bühne braucht nicht mehr als grau und weiß und in der Mitte ein Kreuz... Die Kostüme sind in erdigen Farben. Nichts lenkt ab vom soghaften Text, vom Streitgespräch zwischen Vater Hans und Sohn Martin. Nur drei Schauspieler bringt Regisseur Thomas Luft auf die Bühne. Alle drei verblüffen durch die eigene Darstellung der Charaktere, Sebastian Gerasch bringt die selbstquälerischen Monologe des jungen Martinus als Martyrium, ein völlig zerrissener Mensch, stets kurz vor dem Wahn. Das spielt er nativ verzweifelt. Thomas Kügel ist einmal ein wütender Vater, der hilflos ist ob der Observation seines Sohns Martin. Dann geht er mit barmherziger Überlegenheit den Generalvikar, Luthers Vater im Geiste. Für seine Rolle als alternder, fett gewordener Luther bewahrt er sich alle Kräfte und setzt den der Völlerei ergebenen Alten geradezu wollüstig um. Anja Klawun zieht alle bösen intriganten Stränge. Als Katharina Luther gibt sie die resolute Ehefrau, die ihren Mann vor dem verderben retten will. Lang anhaltender Beifall dankt den drei Schauspielern. „Martinus Luther“ war eine denkwürdige Aufführung!“ (Hamburger Abendblatt)

 

 

und das sagte die Presse zur UA in Münster:

 

„Luther ist in aller Munde. Zumal vor dem Reformationsjubiläum 2017. John von Düffel, Erfolgsautor, nähert sich dem Reformator und zeichnet ein Psychogramm. Das Premieren-Publikum jubelte.“ (Westfälische Nachrichten)

 

 

„Nieder mit dem Ablasshandel – Martinus Luther im Theater […] Mit dem Stück „Martinus Luther – Anfang und Ende eines Mythos“ des Berliner Dramaturgen und Autors John von Düffel wagt sich das Theater Münster an das Thema. Gestern feierte man vor begeisterten Zuschauern Premiere im Kleinen Haus. […] Der junge Luther, großartig und überzeugend gespielt von Daniel Rothaug […] Wenn Daniel Rothaug es zuweilen auch in der Theatralik übertreibt, so ist das Zusammenspiel mit Gerhard Mohr und Ulrike Knobloch grandios […] Eine überzeugende Premiere“. (allesmuenster.de)

 

luther 8828„Mit dem Kunstmittel, den Reformator dieses altfränkische Deutsch sprechen zu lassen, holt John von Düffel Luther vom Sockel. Diese künstlerische Entscheidung wird gestützt von einer zweiten, ebenso folgenreichen. Düffel überspringt Luthers heldenhafte Auftritte vor dem Reichstag, die Flucht, die Bibelübersetzung - auf den jungen folgt sofort der alte Luther. Der alte Luther ist autoritär wie sein Vater. Es gibt keinen Fortschritt hin zur Liberalität. Um das zu unterstreichen, hatte Düffel eine brillante, höchst theatralische Idee, die einmal mehr die Komik betont, die das ganze Drama grundiert. Der Darsteller, der im ersten Teil den Vater spielte, verkörpert im zweiten Teil den alten Luther. Und der spricht jene Vorurteile unmissverständlich aus, z.B. gegen Juden, die heute evangelische Theologen in Verlegenheit und Begründungsnot bringen. John von Düffels Porträt ist wenig schmeichelhaft, dafür umso überzeugender: Martin Luther war selbst keine überragende Persönlichkeit, die Zeitumstände haben ihn bedeutsam gemacht. Das Stück kommt mit sage und schreibe nur drei Schauspielern aus, genauer: eine Dame, zwei Herren. Ein Geniestreich.“ (The Huffington Post)

 

„Ausgeprochen bemerkenswert auch die in dieser Spielzeit am Stadttheater Münster herausgekommene Uraufführung Martinus Luther: Das Stück von John von Düffel wie die Inszenierung von Max Claessen präsentieren weder Luther-Tratsch noch Protestantismus-Bashing, verzichten gänzlich auf vorschnelle, die historische Distanz einebnende Urteile genauso wie auf hippe Vereinnahmungen. Man sieht vielmehr einen von Zweifeln und Anfechtungen, Selbstüberschätzung und Angst gezeichneten Gläubigen, der so schroff wie zärtlich sein kann. Man sieht tatsächlich einen Luther, der mit den handelsüblichen Reformationsbildern nicht identisch ist, einen Gegenwärtigen wie einen Fremden. Ein starkes Statement, das sich zu diskutieren lohnt.“ (Auszug aus Dirk Pilz „Bühnenglauben – Warum das Theater mit Gläubigen kaum etwas anzufangen weiß - Unter Ängstlichen“ Nachtkritik März 2017)

  

 

John von Düffel wurde 1966 in Göttingen geboren. Im Laufe seiner Jugend lebte von Düffel längere Zeit mit seinen Eltern im Ausland: in den Sechzigern in Derry (Nordirland), in den Siebzigern in South Dakota, USA. Studium der Philosophie und Volkswirtschaft an den Universitäten in Stirling (Schottland) und Freiburg im Breisgau. 1989 promovierte er mit einer Arbeit zur Erkenntnistheorie.

Zunächst war er Theater- und Filmkritiker, dann Dramatiker und Dramaturg an verschiedenen Theatern in Stendal, Oldenburg, Basel, Bonn. 2000-2009 Dramaturg am Thalia Theater. Seit der Spielzeit 2009/10 ist er Dramaturg am Deutschen Theater.

Er arbeitet daneben als Autor und Übersetzer und seit dem Wintersemester 2010 als Professor für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin.

Zu seinen Stücken gehören ‚Rinderwahnsinn’, ‚Die Unbekannte mit dem Fön’ sowie ‚Das schlechteste Theaterstück der Welt’, mit dem er 1995 auf den ersten Autorentheatertagen des Schauspiel Hannover entdeckt wurde. Für seinen Debütroman ‚Vom Wasser’ (1998) erhielt er u.a. den Aspekte-Literaturpreis des ZDF, den Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt sowie den Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg. Es folgten die Romane ‚Zeit des Verschwindens’ und ‚Ego’. Sein Familienroman ‚Houwelandt’ (2004) wurde ein Bestseller und mit dem Nicolas-Born-Preis ausgezeichnet. Sein aktueller Roman heißt ‚Beste Jahre’. Darüber hinaus bearbeitete er Thomas Manns ‚Buddenbrooks’, Theodor Storms Novelle ‚Der Schimmelreiter’, Todd Solondz ‚Happiness’, Thomas Manns ‚Joseph und seine Brüder’ und ‚Herz der Finsternis’ von Joseph Conrad.

2011 wurde seine Bühnenadaption des gleichnamigen Bestsellers von Esther Vilar DER DRESSIERTE MANN erfolgreich am Theater an der Kö in Düsseldorf Uraufgeführt, mit einer Vielzahl an deutsch- und fremdsprachigen Nachspielproduktionen. 2014 wurde seine Bühnenadaption von HEUTE BIN ICH BLOND nach dem gleichnamigen Film von Katharina Eyssen und dem Buch von Sophie van der Stap am Ernst Deutsch Theater in Hamburg uraufgeführt. In seinem furiosen Stück MARTINUS LUTHER zeichnet John von Düffel ein komplexes und überraschendes Bild einer zum nationalen Mythos verklärten Figur.

 

Alle Fotos der Tourneeproduktion © Hemann Posch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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