Wahrheit über Leni Riefenstahl Oberhausen 3DIE WAHRHEIT ÜBER

 

LENI RIEFENSTAHL

 

 

(Inszeniert von ihr selbst)  

 

 

Stück von

 

JOHN VON DÜFFEL

 

 

Für  5 Spieler:innen in Mehrfachrollen (plus Live-Kamera)

      

UA 3. Februar 2023 Theater Oberhausen

Regie: Kathrin Mädler

 

       

Wahrheit über Leni Riefenstahl Oberhausen 4Leni Riefenstahl – begnadete, aber naive Filmemacherin oder berechnende, opportunistische Politikerin? Fakt ist, sie war eine Künstlerin. Sie begann ihre Karriere als Tänzerin, etablierte sich aber nach einer Knieverletzung in der Weimarer Republik als Schauspielerin im Bergfilmgenre. 1932 folgte ihr Regiedebüt mit „Das blaue Licht“ – bei dem sie als Hauptdarstellerin, Regisseurin, Koproduzentin und Drehbuchautorin fungierte. Ihre folgenden Filme erhielten zahlreiche Auszeichnungen und wurden als ästhetische Meisterwerke gefeiert. Fakt ist auch: Sie war sowohl Hitler als auch Goebbels nahe. Nach ihrem Aufsehen erregenden Regiedebüt wurde Riefenstahl von beiden umworben und ging bereitwillig auf die Angebote ein. Sie drehte für das NS-Regime propagandistische Filme und hielt mit dem „Sonderfilmtrupp Riefenstahl“ Hitlers Überfall auf Polen auf Film fest. 1940 bediente sie sich für ihren Spielfilm „Tiefland“ aus dem KZ Salzburg- Maxglan an 132 inhaftierten Sinti als „südländisch aussehenden“ Statisten – unbezahlte Arbeitskräfte, über die sie frei verfügen konnte. Über die Hälfte dieser Menschen wurde später in Auschwitz ermordet.

 

Wer ist oder war Leni Riefenstahl wirklich? Was war ihre Rolle als Frau in einer Macht- und Männerdomäne? Was als heiteres Erklimmen der Karriereleiter im nationalsozialistischen Regime beginnt, wird zur zunehmend finsteren Darlegung ihrer Täterschaft. Aus diesem Stück Vergangenheitsbewältigung wird auch einen „Angriff auf die heutige Zeit“ und die Diskurse der Gegenwart. Wie groß die Bedeutung von Propaganda ist, von Images, Leitbildern, Narrativen und manipulativen Lügen, zeigt sich an Leni Riefenstahl exemplarisch. Sie ist nicht nur eine Konstrukteurin von Welt-, Helden- und Körper-Bildern, sie ist auch eine geschickte Konstrukteurin des Bildes ihrer selbst.

 

 

       

 

…das sagte die Presse zur UA:

    

Wahrheit über Leni Riefenstahl Oberhausen 5Das Stück über die Karriere und die Selbstentnazifizierung der Regisseurin ist kein Dokumentartheater, obwohl viel Riefenstahl-O-Ton darin vorkommt. Nein, es ist eindeutig eine Show, in der die sich unpolitisch gebende Leni immer im Zentrum steht und immer wieder alles korrigiert, was da auf einer zweiten Bühne, auf der Bühne, vor sich geht […] Die Wahrheit über Leni Riefenstahl“ ist bereits die achte Oberhauser Uraufführung dieser Saison. […] Den großen Publikumserfolg könnte nun Leni Riefenstahl bringen. Text und Produktion gelingt der delikate Balanceakt zwischen der Darstellung einer komplexen Biografie und der klaren Benennung der Verstricktheit Riefenstahls in das nationalsozialistische System. […] Die Rolle der Riefenstahl in drei Lebensaltern ist auf drei Darstellerinnen verteilt […]. Auch Hitler tritt doppelt auf […]. Niemand ist hier nur eine Version seiner selbst. Alles zersplittert in der Rückschau im Prisma einer Neuinterpretation. […] Was als satirisch-amüsante Tour durch Lenes Leben beginnt, verdüstert sich gegen Ende. Da öffnet sich die Bühne nach hinten, die Staffage verschwindet, und Valentin Reinhardt, der Cousin eines der Statisten aus „Tiefland“, erzählt. Wie die Sinti und Roma, die für den Film zwangsrekrutiert wurden, ins KZ Ausschwitz kamen. […] Da verliert die Triple-Leni […] die Contenance […]. Begeisterter Applaus für einen starken, stringent inszenierten Abend über die brillante Filmkünstlerin ohne moralischen Kompass.“ (Süddeutsche Zeitung)

 

Mit dem Stück wolle er dem „Moment der Opfer die Wucht und Bedeutung geben, die sie verdienen“, bekundet John von Düffel im Interview (im Programmheft), aber auch die selbst inszenierte Scheinwelt der umstrittenen Künstlerin entlarven. Ein faszinierende Unternehmung. […] Eine großartige Entscheidung ist die Aufspaltung Riefenstahls in drei Figuren […] Der zweite Teil des Abends ist nüchterner, spannender auch, geht es doch hier um die Konfrontation Riefenstahls mit Filmemacherin Nina Gladitz. […] Stark auch, wie sich die drei Riefenstahl-Figuren, alle in knallroten Roben, aufgebracht zu einer Hydra vereinen und aus drei Köpfen gegen die vorgebrachten Anklagen zetern, wie sie sich zu einem Körper verschlingen und vor der eigentlichen Wahrheit schützen.“ (Nachtkritik)

 

„Zweieinhalb Theaterstunden, die wie im Flug vergehen: In Oberhausen zeigt Intendantin Mädler eine andere Sicht auf Leni Riefenstahl.“ (Westfälische Rundschau)

 

    

 

          

Düffel John von Bild aktuellJohn von Düffel, geb. 1966 in Göttingen, ist seit der Spielzeit 2009/10 Dramaturg am Deutschen Theater, Berlin. Er ist daneben sehr erfolgreich als Autor und Übersetzer tätig und lehrt als Professor für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Produktion Theater Oberhausen © Forster

 

 

 

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